Freitag, 11. Januar 2013


Rechts-Links-Mitte- vom Zwang der Kategorisierung


 

Der Sprachgebrauch in der Welt erzählt viel über die Gedankenwelt, in denen sich die Nutzer befinden. Alles und Jeder wird kategorisiert und in geistigen Schubladen einsortiert. Die betroffenen haben es schwer, sich von dieser Einschätzung ihrer Umwelt zu befreien, wenn sie dies überhaupt wünschen. Jene drei Worte spiegeln die Strömungen innerhalb der Gesellschaft wieder und sind Ausdruck für die Hauptrichtung, in die sich Gesellschaften bewegen. Die Ziele, welche sich hinter diesen Worten verbergen sind nicht immer klar zu erkennen, da es viele Überschneidungen und Ähnlichkeiten bei den Formulierungen derselben gibt.  Alle möchten im Namen der Mehrheit handeln und nur Gutes vollbringen. Egal welche Richtung vorherrscht, ein gewisser Teil der Bevölkerung wird immer ausgeschlossen. Oftmals benutzen alle drei Richtungen dieselben Mittel für die Durchsetzung ihres Willens. Nachdem die Mitte sich aufgelöst hatte, endeten rechte und linke Strömungen immer in totalen Diktaturen. Auch dieses, eine auffallende Ähnlichkeit zweier völlig gegensätzlicher, namentlich gekennzeichneter Strömungen.

Der Gebrauch dieser drei Worte hat in den vergangenen Jahren wieder zugenommen, dies ist auch Ausdruck für den Richtungsstreit innerhalb von Gesellschaften. Die Geldnot und der damit verbundene Abbau von Arbeitsplätzen rund um den Globus, führen zu den verschiedensten Ausprägungen der drei Strömungen. Diejenigen mit den besseren Argumenten, einfach dargelegt und für jeden verständlich und bis in eine gewisse Tiefe nachvollziehbar, werden mittel-bis langfristig die Oberhand gewinnen.

Laut der Dudenbeschreibung  kann das Wort „rechts“ auch mit dem Wort „konservativ“ gleichgesetzt werden. Jemand, der sich als „Konservativer“ selbst beschreibt, könnte sich auch mit diesen Sachverwandten Wörtern betiteln und beschreiben lassen: „Rechter“, „Rechtsaußen“, „ewig Gestriger“, „Bourgeois“, „Reaktionär“, „Betonkopf“, „Hardliner“, „Konterrevolutionär“, „Extremist“ und „Trotzkopf“.

Die Sachverwandten Wörter zum Thema „links“ lauten: „sozialistisch“, „liegenlassen“ und „ignorieren“.

Das Wort „Mitte“ wird mit „Mittelpunkt“ und „Mittelding“ beschrieben.

Auffallend beim Betrachten der drei Worterklärungen ist es, dass der Wortstamm „rechts“ ausführlicher beschrieben wird, als die beiden anderen Begriffe. Bis auf das Wort sozialistisch, welches nur durch den Zusatz „national“ im dritten Reich auch von der extremen Rechten gebraucht wurde, können alle sachverwandten Worte aus dem Bereich „rechts“ und „links“ dem jeweils anderen Wort zugeordnet werden.

Im gesamten Kommunistischen System wurden die Regierungschefs und Funktionäre als „Hardliner“ bezeichnet und verhielten sich bis zum Zusammenbruch wie „Betonköpfe“ oder einfach nur „Konservative“. Sie „ignorierten“ die tatsächlichen Gegebenheiten und waren Spitze im „liegenlassen“ von ernsthaft bedrohlichen und zu klärenden gesellschaftlichen Fragen.

Die Mitte vereint alle Strömungen zu einer und versucht das Beste daraus zu machen. Im Grunde genommen und durch die Ausdrucksweise bestätigt, bezeichnen sich ja viele Anhänger der sogenannten „Mitte“ gerne als „Konservative“. Scheinbar haben sie sich noch nicht wirklich mit der deutschen Sprache auseinander gesetzt. Oder aber sie posaunen mit vollem Wissen ihre Einstellung hinaus, da es sich um das einzig bekannte politische Wort handelt, mit dem die Massen etwas anfangen können.

Mir ist durchaus klar, in welcher Staatsform ich lebe. Auch allen anderen dürfte dies klar sein. Die „Mitte“ ist nicht „links“ und nicht „rechts“. Sie ist das „Mittelding“, in dem sich all die sachverwandten Wörter aller Richtungen und die entsprechenden Handlungen wiederfinden.

Erschreckend ist nur, dass diese Beschreibungen und richtungsweisenden Benennungen nur wenig Positives enthalten. Die Geschichte schreibt ihr eigenes Buch und beschreibt mit diesen Worten das immer Wiederkehrende. Sie schreibt das Buch der Menschheit mit den immer gleichen Füllwörtern wie „Freiheit“, „Gleichheit“, „Gerechtigkeit“, „Fortschritt“, „Innovation“ und „gesellschaftlicher Entwicklung“, aber auch, mit dem immer gleichen Schluss.

Worte führen zu Gedanken, Gedanken zu Bildern im Kopf und alles zusammen zu mal mehr und mal weniger sinnvollen Handlungen. Ein alter, verkrusteter Wortschatz führt natürlich auch zu alten Verhaltensweisen zurück. Fortschritt sieht anders aus. Sich im Namen der Menschheit von solchem Richtungsdenken zu verabschieden ist eine Herausforderung und ein Ziel gleichermaßen. Es würde den Weg freimachen, für einen wirklichen Quantensprung auf dem Weg der menschlichen Evolution.