Rechts-Links-Mitte- vom Zwang der Kategorisierung
Der Sprachgebrauch in der Welt erzählt viel über die
Gedankenwelt, in denen sich die Nutzer befinden. Alles und Jeder wird kategorisiert
und in geistigen Schubladen einsortiert. Die betroffenen haben es schwer, sich
von dieser Einschätzung ihrer Umwelt zu befreien, wenn sie dies überhaupt
wünschen. Jene drei Worte spiegeln die Strömungen innerhalb der Gesellschaft
wieder und sind Ausdruck für die Hauptrichtung, in die sich Gesellschaften
bewegen. Die Ziele, welche sich hinter diesen Worten verbergen sind nicht immer
klar zu erkennen, da es viele Überschneidungen und Ähnlichkeiten bei den
Formulierungen derselben gibt. Alle
möchten im Namen der Mehrheit handeln und nur Gutes vollbringen. Egal welche
Richtung vorherrscht, ein gewisser Teil der Bevölkerung wird immer
ausgeschlossen. Oftmals benutzen alle drei Richtungen dieselben Mittel für die
Durchsetzung ihres Willens. Nachdem die Mitte sich aufgelöst hatte, endeten
rechte und linke Strömungen immer in totalen Diktaturen. Auch dieses, eine
auffallende Ähnlichkeit zweier völlig gegensätzlicher, namentlich
gekennzeichneter Strömungen.
Der Gebrauch dieser drei Worte hat in den vergangenen Jahren
wieder zugenommen, dies ist auch Ausdruck für den Richtungsstreit innerhalb von
Gesellschaften. Die Geldnot und der damit verbundene Abbau von Arbeitsplätzen
rund um den Globus, führen zu den verschiedensten Ausprägungen der drei
Strömungen. Diejenigen mit den besseren Argumenten, einfach dargelegt und für
jeden verständlich und bis in eine gewisse Tiefe nachvollziehbar, werden
mittel-bis langfristig die Oberhand gewinnen.
Laut der Dudenbeschreibung
kann das Wort „rechts“ auch mit dem Wort „konservativ“ gleichgesetzt
werden. Jemand, der sich als „Konservativer“ selbst beschreibt, könnte sich
auch mit diesen Sachverwandten Wörtern betiteln und beschreiben lassen:
„Rechter“, „Rechtsaußen“, „ewig Gestriger“, „Bourgeois“, „Reaktionär“,
„Betonkopf“, „Hardliner“, „Konterrevolutionär“, „Extremist“ und „Trotzkopf“.
Die Sachverwandten Wörter zum Thema „links“ lauten:
„sozialistisch“, „liegenlassen“ und „ignorieren“.
Das Wort „Mitte“ wird mit „Mittelpunkt“ und „Mittelding“
beschrieben.
Auffallend beim Betrachten der drei Worterklärungen ist es,
dass der Wortstamm „rechts“ ausführlicher beschrieben wird, als die beiden
anderen Begriffe. Bis auf das Wort sozialistisch, welches nur durch den Zusatz
„national“ im dritten Reich auch von der extremen Rechten gebraucht wurde,
können alle sachverwandten Worte aus dem Bereich „rechts“ und „links“ dem
jeweils anderen Wort zugeordnet werden.
Im gesamten Kommunistischen System wurden die
Regierungschefs und Funktionäre als „Hardliner“ bezeichnet und verhielten sich
bis zum Zusammenbruch wie „Betonköpfe“ oder einfach nur „Konservative“. Sie
„ignorierten“ die tatsächlichen Gegebenheiten und waren Spitze im
„liegenlassen“ von ernsthaft bedrohlichen und zu klärenden gesellschaftlichen
Fragen.
Die Mitte vereint alle Strömungen zu einer und versucht das
Beste daraus zu machen. Im Grunde genommen und durch die Ausdrucksweise
bestätigt, bezeichnen sich ja viele Anhänger der sogenannten „Mitte“ gerne als
„Konservative“. Scheinbar haben sie sich noch nicht wirklich mit der deutschen
Sprache auseinander gesetzt. Oder aber sie posaunen mit vollem Wissen ihre
Einstellung hinaus, da es sich um das einzig bekannte politische Wort handelt,
mit dem die Massen etwas anfangen können.
Mir ist durchaus klar, in welcher Staatsform ich lebe. Auch
allen anderen dürfte dies klar sein. Die „Mitte“ ist nicht „links“ und nicht
„rechts“. Sie ist das „Mittelding“, in dem sich all die sachverwandten Wörter
aller Richtungen und die entsprechenden Handlungen wiederfinden.
Erschreckend ist nur, dass diese Beschreibungen und
richtungsweisenden Benennungen nur wenig Positives enthalten. Die Geschichte schreibt
ihr eigenes Buch und beschreibt mit diesen Worten das immer Wiederkehrende. Sie
schreibt das Buch der Menschheit mit den immer gleichen Füllwörtern wie
„Freiheit“, „Gleichheit“, „Gerechtigkeit“, „Fortschritt“, „Innovation“ und
„gesellschaftlicher Entwicklung“, aber auch, mit dem immer gleichen Schluss.
Worte führen zu Gedanken, Gedanken zu Bildern im Kopf und
alles zusammen zu mal mehr und mal weniger sinnvollen Handlungen. Ein alter,
verkrusteter Wortschatz führt natürlich auch zu alten Verhaltensweisen zurück.
Fortschritt sieht anders aus. Sich im Namen der Menschheit von solchem
Richtungsdenken zu verabschieden ist eine Herausforderung und ein Ziel
gleichermaßen. Es würde den Weg freimachen, für einen wirklichen Quantensprung
auf dem Weg der menschlichen Evolution.